Wer vom Hauptbahnhof aus zum Dortmunder U geht, steht vor einem Gebäude, das früher zur Union-Brauerei gehörte und heute Kunst und Kultur beherbergt. Zwischen Ausstellungsflächen und Veranstaltungsräumen sitzt dort ein Kino mit einem einzigen Saal, das Kino im U auf der Leonie-Reygers-Terrasse. Ein ehemaliger Industriebau mit Leinwand, so ließe sich das Bild zuspitzen, und es erklärt ziemlich gut, was Kinokultur in Dortmund ausmacht: Filme laufen nicht in einem einzigen Zentrum, sondern verteilt über die Stadt, in Häusern, die ursprünglich für etwas anderes gebaut wurden oder die jeweils ein anderes Publikum ansprechen. Wer von Filmstadt Dortmund spricht, meint deshalb weniger eine Branche als eine Gewohnheit: Man geht aus, um Filme zu sehen, und tut das an sehr verschiedenen Adressen.
Dieser Überblick ordnet die Stadt nach Art der Spielstätten, nach Filmreihen und Festivals und nach den Sommerorten unter freiem Himmel. Er ersetzt keinen Spielplan. Programme, Preise und Termine ändern sich laufend, und wo diese Seite Angaben macht, sind sie als letzter bekannter Stand zu verstehen, den die jeweilige Webseite des Hauses bestätigen muss.
Orte: vom Multiplex bis zum Einzelsaal
Am einen Ende der Skala steht das CineStar an der Steinstraße 44 mit 14 Sälen. Es ist das klassische Multiplex der Innenstadt: viele Leinwände, viele Startzeiten, große Produktionen am Starttag. Nach Angaben des Hauses gibt es einen wöchentlichen Kinotag am Dienstag, dessen Konditionen auf der Preisseite des Kinos stehen. Zahlen dazu werden hier bewusst nicht wiedergegeben, weil sie sich ohne Vorwarnung ändern können.
Am anderen Ende liegen die Häuser, die ihr Profil über die Filmauswahl bekommen. Die Schauburg an der Brückstraße 66 hat zwei Säle und nennt sich selbst Lichtspiel und Kunsttheater, was ziemlich genau die Richtung beschreibt: ein Haus für Filme, die im Multiplex oft nur kurz oder gar nicht laufen. Das sweetSixteen in der Immermannstraße 29 ist ein Programmkino im Depot-Gebäude. Beide Namen stehen für eine Kinoauswahl, die sich nicht an der Größe des Marketings orientiert, sondern an der Frage, was in der Stadt sonst nicht zu sehen wäre.
Dazwischen liegt das Kino im U mit seinem einen Saal. Es funktioniert anders als die beiden Programmkinos, weil es in ein Haus eingebettet ist, das ohnehin Besucher anzieht. Man kann vor oder nach der Vorstellung durch die Ausstellungen gehen, und das Programm besteht zu einem guten Teil aus Reihen und Gastveranstaltungen, nicht aus einem festen Tagesspielplan. Und dann gibt es das Roxy an der Münsterstraße, ein Saal mit rund 330 Plätzen, in dem Filmabende und Festivalveranstaltungen stattfinden. Die Hausnummer wird in Verzeichnissen mal mit 95, mal mit 97 angegeben; wer hinfährt, prüft sie vorher.
Einen vollständigen Vergleich der Häuser mit Adressen und Besonderheiten bietet die Übersicht Kinos in Dortmund, die als Nachschlagewerk gedacht ist. Hier geht es um das Gesamtbild: Die Orte der Stadt unterscheiden sich nicht nur in der Zahl der Säle, sondern darin, wofür man sie aufsucht. Das Multiplex für den Blockbuster am Dienstag, die Schauburg oder das sweetSixteen für den Film, von dem man in der Zeitung gelesen hat, das Kino im U für einen Abend mit Einführung, das Roxy für einen Event-Termin. Das ist keine strenge Regel, eher eine Orientierung.
Übrigens liegen alle genannten Orte an Wegen des öffentlichen Nahverkehrs. U-Bahn, Straßenbahn und der Hauptbahnhof reichen für fast jede Verbindung aus; Linien werden hier nicht aufgeführt, weil Fahrpläne die Auskunft der Verkehrsbetriebe besser geben als jede Fließtextseite.
Reihen mit festem Platz im Kalender
Ein Kino lebt von seinem täglichen Programm, eine Kinokultur lebt von dem, was sich wiederholt. Im Kino im U ist das vor allem die Reihe Weltsichten, in der Filme in der Originalsprache mit deutschen Untertiteln gezeigt werden. Einige Termine dieser Reihe hatten zuletzt freien Eintritt; ob das für einen bestimmten Abend gilt, steht im Programm des Hauses, nicht hier. Der Reiz solcher Reihen liegt in der Verlässlichkeit: Man weiß ungefähr, was kommt, auch wenn man den einzelnen Titel noch nicht kennt.
Das ist ein Gegenbild zum Multiplex-Prinzip, in dem jede Woche neu entschieden wird. Eine Reihe verlangt Geduld vom Publikum und vom Veranstalter. Sie baut auf Stammgäste, die wiederkommen, und auf Neugierige, die zufällig einmal hineingeraten. Wer sich den Kalender des Kinos im U ansieht, erkennt ein Muster aus Sonderveranstaltungen, die sich um den regulären Betrieb legen.
Kurz zu einer Nebenfrage, die hier nicht aufgelöst wird: Ob die Reihen eher von Menschen aus der Nachbarschaft besucht werden oder von Gästen, die extra anreisen, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht ablesen. Beides ist plausibel, belegt ist keines von beiden. Für die Frage, wo man einen Abend verbringt, ist das ohnehin zweitrangig.
Einen kleinen Abstecher wert ist der Gedanke, wie sehr der Ort die Reihe prägt. Ein Film in Originalfassung mit Untertiteln wirkt in einem Saal, der sich in einem Museums- und Kulturhaus befindet, anders als im Multiplex nebenan. Das Gebäude gibt einen Rahmen vor: Man hat die Ausstellung im Kopf, die man gerade verlassen hat, oder die man gleich besuchen will. Kino wird damit Teil eines Kulturabends statt dessen alleiniger Inhalt.
Festivals und Filmnächte im Roxy
Festivals sind in Dortmund keine Sache eines einzelnen Hauses. Das Frauenfilmfest zeigt, wie sich ein Festival über mehrere Orte legt: Es hat Screenings im Kino im U und bringt Veranstaltungen ins Roxy, darunter eine Nacht, in der mehrere Filme hintereinander laufen. Festivals dieser Art sind kurze, dichte Zeiträume, in denen sich die Stadt anders anfühlt, weil Filme nicht mehr nur nach der Arbeit nebenher laufen, sondern ein Anlass sind.
Das Roxy mit seinen etwa 330 Plätzen ist dafür ein passender Raum. Ein Saal dieser Größe lässt Gespräche vor und nach dem Film zu, ohne sich leer zu fühlen. Filmabende im Roxy sind Veranstaltungen im Wortsinn, keine Dauerprogrammierung; sie werden einzeln angekündigt. Einen festen wöchentlichen Spielplan darf man deshalb nicht erwarten, sondern sollte vor dem Besuch auf der Seite des Hauses nachsehen, was gerade angesagt ist.
Wie die Festivals von Jahr zu Jahr aussehen, entscheiden die Veranstalter. Daten und Programme dieses Herbstes oder des nächsten Frühjahrs stehen hier deshalb nicht; wer ein bestimmtes Festival sucht, ist bei der Veranstalterseite am besten aufgehoben. Eine Festivalkultur, die sich auf Termine stützt, die jeweils neu festgelegt werden, bleibt eben schwer in einem Satz zu fixieren.
Open Air zwischen Westfalenpark und Hafen
Im Sommer verlässt das Kino das Haus. Zwei Orte tragen es nach draußen: das PSD Bank Sommerkino auf der Seebühne im Westfalenpark und die Filmnächte Dortmund, auch „Kino am Hafen“, in der ehemaligen Knauf-Interfer-Halle an der Speicherstraße. Beide warten auf die Dämmerung, und beide veröffentlichen ihr Programm erst spät, sodass sich im Frühsommer nicht planen lässt, was Mitte Juli läuft. Die Daten der letzten Saison stehen auf der Seite zum Freiluftkino. Spannend ist an der Hafenhalle vor allem der Industriecharakter, der sich von einem Park mit Seebühne deutlich unterscheidet.
Der Hoeschpark im Norden der Stadt hat in der Vergangenheit Filmabende erlebt. Ob es dort aktuell ein Programm gibt, lässt sich aus dem vorliegenden Wissen nicht sagen; der Park gehört daher eher als offene Frage in den Überblick als als Empfehlung. Eine ausführliche Zusammenstellung der Sommerorte, der Anfangszeiten und der Hinweise zum Mitbringen steht auf der Seite Freiluftkino-Erlebnisse.
Wer Open Air plant, sollte zwei Dinge einkalkulieren: das Wetter und die Dunkelheit. Beides bestimmt, wann der Film beginnt, und beides liegt außerhalb jeder Planung. Eine Jacke gehört auch an warmen Tagen in die Tasche, weil es nach Sonnenuntergang spürbar abkühlt, und wer mit Bahn oder Bus anreist, muss sich um die Rückfahrt nach einem späten Ende nur vorher kümmern.
Wie sich die Stadt als Ganzes liest
Fasst man die Orte, Reihen und Festivals zusammen, entsteht kein Bild von einer Kulturbranche, sondern von einem Netz aus sehr verschiedenen Anlässen. Das Multiplex bedient die tägliche Nachfrage, die Programmkinos die gezielte Suche, das Kino im U die Reihe und die Einführung, das Roxy den einzelnen Abend, der Westfalenpark und die Hafenhalle den Sommer. Jeder dieser Orte hat seine eigene Logik, und keiner ersetzt einen anderen.
Dass Dortmund dabei keine Filmstadt im Sinne einer Produktionsmetropole ist, tut nichts zur Sache. Gemeint ist hier die Seite des Publikums, und dort ist die Stadt mit einem Multiplex, zwei Programmkinos, einem Museumskino, einem Veranstaltungssaal und zwei Open-Air-Adressen gut aufgestellt. Wer die Breite der Kinokultur in Dortmund einmal selbst erleben will, braucht dafür nicht viel mehr als einen Kalender, einen Fahrschein und etwas Zeit zwischen Brückstraße und Hafen.
Zur Orientierung dient die Startseite dieses Guides, auf der die Themen der Stadt gebündelt sind. Von dort führen die Wege zu den einzelnen Häusern, den Reihen und den Sommerorten.
Auffällig ist, wie wenig die einzelnen Angebote miteinander konkurrieren. Wer im Multiplex an der Steinstraße eine Reihe von Fortsetzungen sieht, hat am selben Wochenende vielleicht einen Abend im Kino im U eingeplant, und wer im Hafen unter freiem Himmel saß, geht im Herbst wieder in die Schauburg. Die Kinokultur in Dortmund ist in dieser Hinsicht ein Nebeneinander, das sich über das Jahr verschiebt: Im Winter tragen die Säle, im Sommer die Halle und der Park. Die Bezeichnung Filmstadt Dortmund passt auf diesen Wechsel der Jahreszeiten besser als auf jede einzelne Adresse, denn erst im Lauf eines Jahres wird sichtbar, wie viele Formen des Kinobesuchs die Stadt tatsächlich bereithält.
Für den Alltag heißt das schlicht: Wer in Dortmund ins Kino will, muss zuerst entscheiden, welche Art von Abend gewünscht ist. Danach ergibt sich der Ort fast von selbst, und das Programm des gewählten Hauses liefert die Uhrzeit. Hilfreich ist es, zwei Möglichkeiten im Blick zu behalten, falls ein Termin ausverkauft ist oder kurzfristig entfällt, vor allem bei Veranstaltungen im Roxy oder im Kino im U, deren Kapazität naturgemäß kleiner ist als die eines Multiplex.
Eine Frage bleibt dabei offen, und sie lässt sich nicht aus Adressen und Öffnungszeiten beantworten: Wird sich das Publikum, das heute zwischen Multiplex, Programmkino und Hafenhalle pendelt, auch künftig so breit über die Stadt verteilen, oder zieht es sich auf wenige Häuser zusammen?