Demnächst im Roxy Kino


A BEAUTIFUL DAY - ab 26. April

Großbritannien/ Frankreich/ USA 2017, 85 Minuten, Regie: Lynne Ramsay, mit Joaquin Phoenix, Judith Roberts, Ekaterina Samsonov u.a.


Ein junges Mädchen wird vermisst. Joe, ein brutaler und vom eigenen Leben sowohl gequälter als auch gezeichneter Auftragskiller, startet eine Rettungsmission. Im Sumpf aus Korruption, Macht und Vergeltung entfesselt er einen Sturm der Gewalt. Vielleicht gibt es nach all dem Blutvergießen am Ende auch für Joe ein Erwachen aus seinem gelebten Albtraum…
Das Drehbuch des düsteren Thrillers basiert auf der Novelle „You were never really here“ des amerikanischen Autors Jonathan Ames. Neben Joaquin Phoenix als Auftragskiller Joe sind in weiteren Rollen u.a. Ekatarina Samsonov („Anesthesia“) als verschlepptes Mädchen Nina, Alessandro Nivola („American Hustle“), Alex Manette („Jane Got A Gun“), John Doman („Blue Valentine“) sowie Judith Roberts („Orange Is The New Black“) als Joes Mutter zu sehen. Produziert wurde A BEAUTIFUL DAY von Pascal Caucheteux, Rosa Attab, James Wilson, Rebecca O’Brien und Lynne Ramsay.

Joe (Joaquin Phoenix) ist das, was einmal im Film ein „Hired Gun” genannt wird, ein Auftragskiller. Oder ein Mann fürs Grobe, der dann gerufen wird, wenn andere versagen. Statt eines Guns, also eines Gewehrs, benutzt er lieber einen Hammer als Waffe – was den Ausdruck „Hired Gun“ ad absurdum führt. Ein Gewehrschuss ist laut und schnell, aus der Distanz abgefeuert. Mit einem Hammer hingegen muss man den Leuten auf die Pelle rücken, er schlägt hässliche Wunden. Darum sehen wir gleich zu Beginn des Films, wie Joe das bluttriefende Werkzeug nach getaner Arbeit abwischt. Er hat ein entführtes Kind befreit, und die Kidnapper haben es grausam bezahlt. Joe ist ein massiger Mann mit grauschwarzem Bart und zum Zopf gebändigten Haaren. Sein Gang ist schleppend, sein Blick nach unten gerichtet. Joe ist ein Mann mit vielen Wunden, auf der Seele, vor allem aber am Körper. Mehrere Male zieht er sich eine durchsichtige Plastiktüte über den Kopf und reißt sie erst im allerletzten Moment auf. Rückblenden in seine Vergangenheit, zu seiner Kindheit, zum Militär und zum FBI zeigen: Joe hat schon so einiges hinter sich an Missbrauch, Gewalt, Traumata, Schikanen und Misserfolgen. „Du warst niemals richtig hier“ lautet die Übersetzung des Originaltitels, und genau diesen Eindruck erweckt Joe: Ein Mann, der neben sich steht, der nicht mehr leben will. Da wird die kleine Tochter eines Senators entführt und in ein Bordell verschleppt. Joe befreit das Mädchen. Doch danach läuft alles aus dem Ruder.
 
Seit „We Need to Talk About Kevin“, also seit 2011, hat die Schottin Lynne Ramsay keinen Film mehr gedreht. Jetzt meldet sie sich mit Wucht zurück. Das Drehbuch ihres Thrillers basiert auf der Novelle „You Were Never Really Here“ des amerikanischen Autors Jonathan Ames. Ramsay machte daraus das Drama eines Einzelgängers, der an Travis Bickle aus Martin Scorseses „Taxi Driver“ erinnert. Joe ist ein Mann, der nur seinem Code gehorcht. Manchmal muss man sich sogar wundern, dass er überhaupt fähig ist zu handeln. Wut und Verzweiflung sind die einzigen Motoren, die ihn antreiben. Die Brutalität, zu der er fähig ist, zeigt Ramsay meistens als Resultat, die Aktion selbst ist entweder durch Überwachungskameras verfremdet oder durch Ellipsen ausgespart. So unterläuft die Regisseurin die Konventionen des Genres und lenkt den Blick auf ihre Hauptfigur. Die Rückblenden in Joes Vergangenheit nehmen dabei den Charakter von kurz aufblitzenden Träumen an, die sich mit der Gegenwart vermischen. So ist auch die Orientierungslosigkeit, die Abwesenheit Joes zu erklären. Ramsay wirft ihn in Situationen, häufig ohne Ort und Zeit zu benennen. Sie nimmt den Zuschauer nicht an die Hand, sie erklärt nichts. Erwartungen an traditionelles Erzählkino werden so konsequent enttäuscht – an der Faszination des Films ändert das nichts. Und vielleicht ist „A Beautiful Day“ ohne die Darstellung durch Joaquin Phoenix gar nicht denkbar. Von schleppend und schwerfällig bis aufbrausend und wütend findet er punktgenau die passenden Gesten und macht den Schmerz seiner Figur spürbar. Man möchte nicht in Joes Haut stecken.

Michael Ranze, programmkino.de


Aus der Reihe "Cinema Obscure":

HELLRAISER - DAS TOR ZUR HÖLLE - am 27. April

Großbritannien 1987, 94 Minuten, Regie: Clive Barker, mit Andrew Robinson, Clare Higgins, Ashley Laurence u.a.


Frank Cotton verschwindet unter mysteriösen Umständen aus seinem Haus, als er versucht, einen geheimnisvollen Würfel zu öffnen. Jahre später ziehen sein Bruder Larry und dessen Frau ausgerechnet in dieses Haus. Frank gelingt es, in Gestalt eines schrecklichen Wesens zurückzukehren. Um sich den Mächten der Finsternis endgültig zu entziehen, benötigt er die Hilfe seiner einstigen Geliebten Julia, die ihm nach wie vor hörig ist. Hilfe bedeutet für ihn Menschenblut, viel Menschenblut, um sein früheres Äußeres wieder herzustellen. Zwischenzeitlich gelangt Larrys Tochter in den Besitz des mysteriösen Würfels. Sie öffnet ihn und entfesselt die Cenobites, Ausgeburten der Hölle. Der alles entscheidende Kampf beginnt: Kann das Tor zur Hölle wieder geschlossen werden?


DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN - ab 10. Mai

Spanien/ Großbritannien/ Deutschland 2017, 110 Minuten, Regie: Isabel Coixet, mit Emily Mortimer, Bill Nighy, Patricia Clarkson u.a.


"Der Buchladen der Florence Green", eine feinsinnig verfilmte Adaption des Romans The Bookshop der britischen Schriftstellerin Penelope Fitzgerald, zelebriert die Liebe zur Literatur: Florence Green hat früh ihren Mann verloren, doch ihre gemeinsame Liebe zu Büchern aller Art lässt sie nicht los. Sie investiert ihr gesamtes Vermögen in die Verwirklichung ihres Traums von einem eigenen Buchladen – ausgerechnet im verträumten englischen Hardborough, Ende der 50er Jahre, wo die Arbeiter dem Bücherlesen skeptisch gegenüberstehen und die Aristokratie energisch vorgibt, was Hochkultur ist und was nicht. Doch trotz der Widerstände hat sie Erfolg und rasch finden auch progressive, polarisierende Werke wie Nabokovs Lolita oder Bradburys Fahrenheit 451 bei den Dorfbewohnern Anklang. Vor allem der seit langem zurückgezogen lebende Mr. Brundish findet Gefallen am neuen Buchladen und dessen Besitzerin. Doch Florence Greens sanfte Kulturrevolution bleibt nicht unbemerkt: Die alteingesessene graue Eminenz Violet Gamart befürchtet einen Kontrollverlust in ihrem Heimatdorf und steht den radikalen Veränderungen mit Argwohn gegenüber. Mit aller Macht versucht sie Florence Steine in den Weg zu legen und die beiden Frauen beginnen eine Auseinandersetzung über Moderne und Konvention.


weit.FILMMUSIK.live - am 23. Mai, 21:00 Uhr

weit.FILMMUSIK.live ist ein projektbezogenes Künstler-Kollektiv von fünf leidenschaftlichen Herzblutmusikern. An dessen Spitze Falk Schönfelder und Isaac Friesen, die mit ihren wunderbaren Kompositionen den erfolgreichsten deutschen Dokumentarfilm des letzten Jahres, “Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt”, musikalisch untermalt haben. Eindrucksvoll erweitern sie die träumerischen Weltmusik-Klänge zu einem unkonventionellen Bühnenprogramm mit neuen Musikwerken, Texten übers Unterwegssein und einer Live Liquid Light Projektion.

 

Musiker:

Gitarre – Isaac Friesen, Piano/Synths – Falk Schönfelder, Cello – Matthias Hübner, Handpan/Schlagzeug – Maximilian Dierksen, Texte/Audio/Visuals – Anselm Salewski

 

Es ist eine wunderschöne Geschichte, die Gwen Weisser und Patrick Allgaier in ihrer Reisedokumentation “Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt” erzählen. Sie nehmen uns mit auf eine Reise über Land, Ozeane und mit wenig Geld und Gepäck, einmal um die Welt. Gwen und Patrick reisen so weit nach Osten, bis sie dreieinhalb Jahre später, als kleine Familie, aus dem Westen wieder nach Hause kommen. Mittlerweile haben über 400.000 Zuschauer in Deutschland den Film angeschaut und miterlebt, wie weit so eine Reise sein kann.

 

Wie klein diese Welt jedoch auch manchmal ist, zeigt die Entstehungsgeschichte der Filmmusik: Als Anselm Salewski mit seiner Freundin Emma Weidner im Herbst 2013 per Anhalter durch Armenien fuhr, stiegen genau neben ihnen Gwen und Patrick aus einem Tramperauto aus. Eine Weile reisten sie zu viert, wenig später trafen sie sich im Iran wieder und verabredeten sich für das Farbenfest, ein halbes Jahr später, im Norden von Indien.

Besagtes halbes Jahr später war Anselms Schulfreund Isaac Friesen gerade drei Monate in Indien unterwegs, als er, im Süden des Subkontinents, erstmals auf Patrick und Gwen traf. Da sie alle nach Norden zum Holi-Festival wollten, fuhren sie gemeinsam. Ohne es zu wissen, hatten sich die drei gleichzeitig mit Anselm und Emma in Pushkar einen Treffpunkt ausgemacht. So war die Überraschung groß, als alle feststellten, dass es sich um dieselben Freunde handelte.

Schnell kamen sie auf das Filmprojekt, die Musik und Zukunftspläne zu sprechen und fassten den Entschluss, unbedingt einmal zusammen zu arbeiten. Isaac spielte zu dieser Zeit mit Falk Schönfelder im “Postmodern Orchestra”, einer Neo-Klassik-Rock-Band aus Ostdeutschland. Zweieinhalb Jahre später war es dann soweit. Isaacs Telefon klingelte und Patrick fragte ihn, ob er die Musik zum Film beisteuern wollte.

Es entstanden wunderbare Klänge, die jene seltene, weltumspannende Stimmung des Films transportieren können. Mit sanften und tiefgehenden Melodien vertonten Isaac und Falk die ausdrucksstarken Bilder, aber auch das Reisegefühl und das Vertrauen der Protagonisten. Ein weiteres, unglaubliches Jahr später, breitete sich bei allen Beteiligten das große Bedürfnis aus, diese besondere Musik auch auf die Bühne zu bringen.

 

Gemeinsam mit Anselm, der sich um die Organisation, Ton, Texte und Visuals kümmert und mittlerweile mit Gwen und Patrick in Freiburg wohnt und arbeitet, dem Ausnahme-Cellisten Matthias Hübner, der Postmodern Orchestra schon auf vielen Konzerten begleitete, sowie Handpan- und Perkussionskünstler Maximilian Dierksen, der Isaacs Celtic Folk Band “Windspiel” oft unterstützt, haben sie nun ein buntes und vielseitiges Programm geschaffen und die “Weit.”-Filmmusik zu einer Klangpoesie erweitert. Dabei werden neben den Titeln aus dem Dokumentarfilm weitere eigene Kompositionen dargeboten und von Gedanken über das Leben unterwegs und einer Live Liquid Light Projektion umrahmt.

 

Anfang Mai 2018 feiert das weit.FILMMUSIK.live-Kollektiv in Leipzig ihre Bühnenpremiere. Ihre Konzerttournee führt sie anschließend auf zwanzig Konzerten durch Deutschland und die Schweiz. Alle Informationen, Tickets und Termine gibt es auf www.weit-filmmusik.de sowie auf Facebook.